Sich am inneren Kompass neu orientieren

Myriam Mathys
·
23. Oktober 2026
2026 10 23 high angle hand holding compass

Loslassen können, ist das eine. Sich neu zu orientieren, das andere. Das hatte ich irgendwie unterschätzt. Ich bin am Suchen und spüre eine gewisse Unruhe in mir. Und manchmal schleicht sich gar ein Gefühl der Orientierungslosigkeit ein. Gleichzeitig habe ich aber auch die Zuversicht, dass es mir gut gelingen wird. Und freue mich über spontane Impulse, die neue Möglichkeiten am Horizont erkennen lassen. Es ist ein Auf und Ab und Hin und Her.
Es ist diese Ungewissheit, die auch neue Fragen eröffnet: Denn wenn sich die äusseren Parameter schon ändern und ich mein Business wieder alleine betreibe, ist das nicht auch gleich eine gute Gelegenheit, sich neu am  inneren Kompass zu eichen? Ich horche nach innen: Was von dem, was ich mache, macht mir immer noch grosse Freude? (Gut, diese Frage begleitet sich schon lange, aber sie stellt sich jetzt wieder neu.) Gibt es vielleicht Dinge, die sich für mich zwar noch stimmig anfühlen, aber deren Zeit einfach abgelaufen ist? Und vor allem: Wo zieht es mich neben all dem, was noch stimmig ist, sonst noch hin?

Die erste Frage ist für mich nicht schwer zu beantworten: Dialog-Räume designen, die echte zwischenmenschliche Begegnungen zulassen, das ist ganz meins. Meetings, Seminare und Workshops gestalten, in denen Menschen wirklich über das Sprechen, was sie bewegt, und gemeinsame Lösungen finden können. Und ich finde diese Gesprächsqualität in Zeiten von KI wichtiger denn je.

Die zweite Frage zu beantworten ist schon schwieriger: Ich sortiere zwar das, was für mich nicht mehr stimmig ist, laufend aus. Aber wie merkt man, ob die Zeit für etwas einfach abgelaufen ist, ob es sich sozusagen von alleine aussortiert hat? Die Buchungen von öffentlich ausgeschriebenen Methodenseminaren gehen beispielsweise kontinuierlich zurück. Aus Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen weiss ich, dass dies nicht nur mir so geht. Aufgrund der rasanten Entwicklungen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz gehen halt immer mehr Gelder in Weiterbildungen, die die KI-Kompetenz stärken sollen. Das ist natürlich einerseits verständlich. Andererseits ist es gerade jetzt wichtig, dass Menschen miteinander noch echte Gespräche führen können. Und das passiert, zumindest in Teams oder Gruppen, nicht einfach so. Es braucht einen passenden Rahmen, einen gestalteten Raum. Und wie man so einen Dialog-Raum gestalten kann, müssen Führungskräfte und Begleitende irgendwann einfach mal ganz praktisch lernen. – Ich habe mich deshalb entschlossen, neben Inhouse-Angeboten auch weiterhin öffentlich zugängliche Seminare auszuschreiben. Zumindest vorerst einmal. Wir werden sehen, wie sich die Dinge weiterentwickeln. Zu Trends gibt’s ja üblicherweise irgendwann mal ein Gegentrend.

Und schliesslich die dritte Frage: Wo zieht es mich gerade hin? Gerne würde ich noch mehr als Sparring-Partnerin für Führungskräfte, Beratende und Moderierende zur Verfügung stehen. Ich mache dies zwar schon seit vielen Jahren, aber es wird mir immer wichtiger. Ich muss nicht mehr selbst im Fokus stehen und einen Workshop leiten. Zwar mache ich das immer noch sehr gerne. Aber ebenso gerne unterstütze ich aus dem Hintergrund Menschen, die ihr Wissen, das sie über die verschiedensten Methoden haben, gerne noch mit den vielseitigsten Erfahrungen aus der Praxis anreichern würden. ChatGPT und Co. können zwar auch schöne Workshop-Konzepte designen – aber sind diese dann genau für diese Zielgruppe und genau für die aktuelle Situation wirklich «dasjenige welches» es gerade jetzt braucht? Ich würde sagen. KI ist hier der Feind des Besseren…
Was drängt sich aktuell sonst noch mehr in meinen Fokus? Ich will mir – jetzt, da ich mein Arbeitspensum reduziert habe – mehr «quality time» nehmen für das Zusammensein mit Menschen. Einerseits sind dies Menschen, die meine Werte teilen. Der Austausch mit ihnen ist mir noch wertvoller geworden. Ich erlebe solche Gespräche immer wieder als gegenseitige Inspiration. Auch als ein Kräftetanken. Und ich erlebe, dass lose Bekanntschaften plötzlich bedeutsamer werden, dass alte Freundschaften wieder aufleben, aber auch, dass unvermittelt neue Menschen auftauchen, die mein Leben bereichern. – Andererseits will ich auch für Menschen da sein, die Unterstützung brauchen. Manchmal bedeutet dies handfeste Hilfe, manchmal einfach nur ein bisschen Ermutigung. In allererster Linie geht es oft darum, sich Zeit zu nehmen und da zu sein.  Was auch mir selbst gut tut, weil ich mich dabei entschleunigen kann. Diesbezüglich habe ich allerdings noch etwas Luft nach oben…
Schliesslich begleitet mich ja seit längerer Zeit auch der Wunsch, zu schreiben. Er drängt sich jetzt wieder verstärkt in mein Bewusstsein. Aber auch da bin ich noch in der Sondierungsphase. Manchmal muss man die Dinge auch einfach ein bisschen köcheln lassen. Mehr Gelassenheit, kommt mir dazu in den Sinn: auch noch so ein Lernfeld, bei dem man nie ausgelernt hat. Ich inklusive.

Herzlich,

Myriam

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