
Ich bin ein neugieriger Mensch und mich interessiert eigentlich (fast) alles. Und wenn mich etwas besonders interessiert, dann lasse nicht locker, bis ich weiss, wie es «funktioniert». Wenn der Tag mehr als 24 Stunden hätte, dann würde ich mich wohl noch mit vielem mehr beschäftigen als ich es eh schon tue. Besonders wichtig ist es für mich deshalb, Dinge wieder loslassen zu können, damit Neues auch wirklich Platz hat. Und das ist gar nicht so einfach…
Mir hilft es, wenn ich mich auf das fokussiere, was mir wirklich Freude bereitet und dadurch auch Energie spendet. Und mich umgekehrt von Engagements verabschiede, die mir doch nicht ganz so gut entsprechen und mich deshalb tendenziell mehr Energie kosten. Natürlich gibt es Situationen und Phasen, wo man damit leben muss, dass diese Balance unausgeglichen ist und man vor allem Energie geben muss. Aber als Dauerzustand ist das nicht gesund.
Manchmal ist der Grund, mich von einer intensiveren Beschäftigung mit einem Thema zu verabschieden, aber nicht, dass es mir keine Freude mehr bereiten würde. Doch alles hat seine Zeit. Und manchmal ist es einfach Zeit, anderen Platz zu machen, damit sie sich für etwas engagieren können.
Gesellschaftliches Engagement finde ich persönlich wichtig. Dazu zähle ich übrigens auch, Kinder auf ihrem Entwicklungsprozess zu verantwortungsvoll denkenden und handelnden Menschen zu begleiten. Dieses Glück war mir leider nicht vergönnt, aber ich bin versöhnt damit: auch das war ein nicht ganz einfacher Loslass-Prozess…
Ich selbst habe zum Wohle der Gesellschaft schon viele, viele Stunden in ehrenamtliche Arbeit bei Vereinen investiert oder mich auch als Mentorin für Studierende engagiert. Von 2022 bis 2025 war ich beispielsweise Co-Präsidentin der VCU-Regionalgruppe Zürich, nachdem ich vorher schon im Vorstand tätig war. Das habe ich wirklich gerne gemacht! Doch als mein Co-Präsident im Frühling 2025 zurücktrat, merkte ich, dass es auch für mich ein guter Zeitpunkt ist, dieses Amt wieder loszulassen. Das ist problemlos gelungen. Was mir fehlt, ist einzig die gute Zusammenarbeit mit ihm – gerade weil wir nicht immer derselben Meinung waren, aber uns gegenseitig mit Respekt begegnet sind. Ansonsten ist es aber auch ganz schön, nur noch «Konsumentin» zu sein und die Veranstaltungen nicht mehr selbst zu organisieren.
Sieben Jahren lang war ich bis in diesem Sommer auch Mitglied des Kirchgemeindeparlaments der Reformierten Kirche der Stadt Zürich. Meine Motivation, mich da zu engagieren, war insbesondere die, dass ich als Organisationsberaterin um die Schwierigkeiten nach Fusionen wusste. Und 32 kleine Kirchgemeinden in eine einzige grosse zusammen zu schliessen, die mittlerweile rund 65’000 Mitglieder zählt, das war und ist keine leichte Sache!
So langsam hat das «normale» politische Leben im Parlament Einzug gehalten. Zeit, mich zu verabschieden. Denn mich für oder eine Sache zu positionieren, entspricht mir nicht wirklich, denn ich sehe nicht nur Schwarz oder Weiss, sondern in erster Linie auch die vielen Grau-Töne dazwischen. Das Gegenteil von Konfrontation ist für mich aber nicht Harmonie um jeden Preis. Es geht mir viel mehr um die Integration verschiedener Positionen in die Suche nach einer tragfähigen Lösung. Da habe ich meinen beruflichen Schwerpunkt. Und dafür will ich mich weiter mit voller Kraft engagieren. In Unternehmen und Organisationen verschiedenster Art – und natürlich auch in der Kirche.
Es gibt manchmal auch Situationen, bei denen sich die Notwendigkeit für eine Veränderung bezüglich eines Engagements einfach nach und nach entwickelt: durch neue Lebensrealitäten und eine unterschiedliche Prioritätensetzung beispielsweise.
Wer unseren letzten gemeinsamen Newsletter von Ende Juli 2026 gelesen hat, hat es mitbekommen, dass Loslassen für mich gerade wieder zu einer aktuellen Herausforderung geworden ist: Meine mehrjährige sehr geschätzte Geschäftspartnerin Franziska und ich gehen nun beruflich wieder getrennte Wege und werden je mit verschiedenen Einzelfirmen weiter machen. Und Franziska sucht sich zudem eine Teilzeitanstellung. Wir bleiben uns zwar fachlich und persönlich weiterhin verbunden und werden auch einige Projekte gemeinsam weiterführen, aber es ist doch eine Trennung. Und diese ist erst einmal verbunden mit einem Gefühl des Verlusts. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch die Chancen darin sehen würde: geringere Infrastrukturkosten beispielsweise und natürlich wieder mehr Freiraum für Neues!
Herzlich,

