Franziska Gottschalk
·
3. Oktober 2022
Entwicklungssprünge machen?

In letzter Zeit erlebe ich an manchem Ort sehr engagierte Menschen mit einer tiefen Frustration. Mit Fragen über ihre berufliche Rolle. Ob es sich denn noch lohne, so weiter zu machen; so viel Energie reinzustecken, für so wenig Resultat und so viel Widerstand. Intrinsisch motivierte Transformation Leader, Scrum Master und Agile Coaches. Menschen, die sich für Zusammenarbeit und Partizipation einsetzen und die langsam müde werden.

Geht es dir ähnlich? Hängen die versprochenen Früchte von Agilität und Selbstorganisation immer noch zu hoch? Fühlen sich echte Feedback- und Fehlerkultur noch ewig weit weg an? Sind deine Wünsche und Erwartungen an Effizienz, Innovation und Kreativität noch nicht in Erfüllung gegangen?

Leider habe ich auch kein Patentrezept. Und doch habe ich in meiner Arbeit in der letzten Zeit etwas entdeckt: Steckt das Team mit der Transformation fest und entscheidet sich, mit KonsenT mit Einwandintegration und systemischem Konsensieren zu arbeiten, geht in kürzester Zeit die Post ab!

Dabei kommen die beiden kollaborativen Entscheidprozesse eher unbedeutend daher. Auch hier: festgelegte Prozesse. Die man als Facilitator:in in nützlicher Frist lernen kann. Und als Nutzer braucht es nur eine klare Facilitation des Prozesses. So weit, so unspektakulär.

Was ich da nun so Ungewöhnliches entdeckt habe? – Schon nach wenigen Wochen und Monaten werden von den Teammitgliedern Bedürfnisse geäussert und Klärungen eingefordert:

  • Wer macht eigentlich was? Wir brauchen mehr Transparenz!
  • Können wir unsere Arbeit besser planen und abstimmen?
  • In welchem Gefäss wird eigentlich welches Thema und von welchen Rollen entschieden?
  • Wir brauchen eine Retro!!!

Themen, die auf einmal essenziell geworden sind, um gemeinsam im KonsenT entscheiden zu können.

Nach wenigen Monaten habe ich eine andere Form der Meetingkultur beobachtet: Du bist fokussierter, bringst deine Worte besser auf den Punkt. Du weisst, wann du konzentriert sein sollst und wann du dich entspannter zurücklehnen kannst. Du spürst die Entlastung, nicht mehr alles und jede:n kommentieren zu müssen. Und du spürst deine Stärke, wenn deine Argumente gehört werden und deine Einwände aufgenommen und in der Lösung integriert sind. Da erlebst du Wertschätzung und gegenseitigen Respekt.

Und dann noch das Thema Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit: Bei KonsenT liegt der Fokus auf dem Vorschlag; auf dem Versuch, direkt eine mögliche Lösung zu finden. Stell dir vor, wie cool das ist, wenn nicht mehr ewig über das Problem diskutiert wird. Sondern diese Energie und Zeit direkt in die Lösungssuche fliesst. Das gibt Power! Und dem Team richtig Schub!

Und der Domino-Effekt geht noch weiter: Ein Gefühl von psychologischer Sicherheit stellt sich mit der Zeit ein, tiefe Gespräche über Rollen mit ihren Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung kommen in Gang, Transparenz ist willkommen und macht viel weniger Angst, Ihr werdet schneller und schneller und effizienter. Und habt Raum für Neues. Es kommt Bewegung ins Team.

Und wo ist der Haken? Zu Beginn braucht es viel Disziplin und etwas Geduld (und dann noch ein bisschen mehr Geduld…), bis sich das neue Verhalten bei jeder/ jedem etabliert hat. Aber das kennen wir ja von anderen Lernprozessen auch. Ist also machbar!

Mir persönlich hat diese Entdeckung einen Extra-Schub an Kraft und Power gegeben. Und endlich fühle ich mich in meiner Agile Coach Rolle nicht mehr «stand-alone». Bin keine Ausserirdische mehr und muss auch nicht mehr «erklären», warum wir einen Purpose brauchen, warum wir diese Retro nicht absagen, warum ein «daily» täglich stattfindet… sondern es ist Realität geworden. Und das ist ein echter Motivationsbooster!

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