
Ich brauche nicht viel, um zwischendurch mal ein bisschen Energie zu tanken: ein lächelndes Gesicht, das mich anschaut, ein freundliches Wort, das mich berührt, oder auch nur ein kurzer Blick auf die Blumen, die draussen schon blühen. Und ich erlebe auch immer wieder, wie «Vorschussvertrauen» Energie generieren kann, wo vorher vermeintlich gar keine war: Es ist schön mitzuerleben, wie ein junger Mensch förmlich an seiner Aufgabe wächst – einfach, weil man sie ihm zutraut.
«Empowerment» ist kein neuer Begriff, aber für mich nach wie vor ein wichtiger. Wobei ich das, was da passiert, nämlich «Ermächtigung», lieber als aktiven Vorgang formuliere, nämlich als «in die eigene Kraft kommen». Es geht (gerade auch im Unternehmenskontext) darum, den Menschen zu ermöglichen, dass sie «aus eigener Kraft in ihre Kraft kommen», also «Power» entwickeln. Das Wichtigste ist, ihnen dabei nicht im Weg zu stehen…
Ganz besonders eindrücklich finde ich es, wenn dieser Prozess in einer ganzen Gruppe passiert, die Gruppe also gemeinsam Energie generiert. – Kürzlich hatte ich die Freude, in einer sozialen Institution eine Open Space-Konferenz zu begleiten, an der Mitarbeitende, Klient:innen und Vertreter:innen von zuweisenden Stellen teilnahmen. «Open Space» ist ein Format, bei dem die Teilnehmenden die Themen, die irgend etwas mit dem gemeinsamen Überthema/Motto zu tun haben und an denen sie arbeiten wollen, selbst festlegen und auch frei entscheiden können, bei welchem Thema sie mitreden wollen und wie lange.
Es gibt in diesem «offenen Raum» nur ein Gesetz und zwar das «Gesetz der zwei Füsse», das besagt, dass man nur solange in einem Workshop bleiben muss, wie man es spannend findet oder selbst was beitragen kann, und ansonsten eingeladen ist, «die Füsse unter den Arm zu nehmen» und den Workshop wieder zu verlassen. Entweder, um in einen anderen Workshop zu wechseln oder um etwas Pause zu machen. Ausserdem gibt es noch ein paar Prinzipien, deren Kenntnis einem dabei helfen, sich gut in diesem offenen Format zurecht zu finden.
Eine «Open Space»-Veranstaltung ist für mich (und ich erlebe das immer wieder aufs Neue) ein Ort, an dem ganz viel Energie freigesetzt wird, wo wirklich «Empowerment» passiert. Und so war es denn auch diesmal wieder: Von knapp 60 Personen kamen in Windeseile 19 Workshop-Themen zusammen – und es wurde überall mit grossem Engagement diskutiert und nach Ideen und Lösungen gesucht. Und ab und zu trafen sich auch ein paar «Schmetterlinge», um Pause machen – sei es bei der Kaffeemaschine oder draussen vor der Türe.
Als besonders wertvoll wurde erlebt, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den drei genannten Bereichen dabei war: denn es bereichert das eigene Verständnis einer Sache ungemein, wenn zur eigenen Sichtweise auch noch (Ein-)Blicke aus anderen Erfahrungshintergründen dazu kommen!
Das ist ja generell ein Thema, das heute – in einer Zeit der Polarisierung – wichtiger denn je ist: dass man die unterschiedlichen Perspektiven zusammenträgt und dadurch in allen ein weniger einseitiges Bild der Realität entstehen kann. Und so überhaupt erst die Möglichkeit für neue Lösungen entsteht, die dann auch gemeinsam mitgetragen und umgesetzt werden.
Herzliche Grüsse,

