Agile Moderation

Heute schreiben sich (fast) alle Organisationen „agil“ auf die Fahnen, oder wollen es zumindest sein. Doch was ist eigentlich mit der Art und Weise wie wir Meetings moderieren? Man geht ja üblicherweise so vor, dass man ein Thema nach dem anderen – sauber voneinander getrennt – bespricht. Oder dass man klar vorgegebene Arbeitsschritte durchläuft und mit dem nächsten erst beginnt, wenn der erste ganz beendet ist.

Agile Moderation bedeutet aus unserer Sicht, den auch in der Moderation gewohnten linearen Ablauf zu verlassen und ein simultaneres Vorgehen innerhalb von Meetings zu ermöglichen. Und ein solches entspricht genau der tatsächlichen Funktionsweise des menschlichen Geistes. Unsere Ideen, unsere Gedanken und unsere Energie folgen nicht einem vorab festgelegten Fahrplan. Unser Geist assoziiert gerne frei, springt manchmal willkürlich hin und her und ist am produktivsten, wenn er seiner eigenen Spur folgen kann. Er denkt oft schon an die Lösung, wenn „offiziell“ erst die Phase der Problemdefinition ansteht. Er will vielleicht Bedenken äussern, wenn der Moderator oder die Moderatorin das ausschliessliche Sammeln von Ideen angesagt hat. Und wenn man sich dann in der Phase der Alternativenbewertung befindet, kann er darauf kommen, dass man bislang an der falschen Fragestellung gearbeitet hat. Kurz: Eine zwangsweise vorgegebene Struktur bremst die Kreativität und den natürlichen Fluss des menschlichen Geistes. Sie verhindert oft das, was am dringendsten gebraucht wird: einen schöpferischen Durchbruch.

Moderation sollte ein simultaneres Denken und Sprechen erlauben – zum Beispiel gleichzeitig an der Problemdefinition und an möglichen Lösungen arbeiten – und in diesem Sinne ist Dynamic Facilitation – eine Moderationsmethode, die der Kanadier Jim Rough entwickelt hat – schon lange agil.

Dynamic Facilitation ist besonderes für herausfordernde Themen und Situation geeignet: es geht vielleicht um viel, die Meinungen divergieren, Emotionen schwingen mit, es braucht eine wirklich schöpferische Lösung und vielleicht glaubt sogar kaum einer, dass es überhaupt eine Lösung gibt. Hier läuft Dynamic Facilitation sozusagen zur Hochform auf. Die Methode setzt ganz darauf, dass die richtigen Lösungen wie von allein emergieren. Und das tun sie in aller Regel – Dynamic Facilitation ist bekannt dafür, dass damit auch in sehr schwierigen Situationen unerwartete Durchbrüche erzielt werden. Doch man kann nie genau sagen, wann diese geschehen. In nicht-agilen Projekten werden klare Meilensteine und Endtermine fixiert – ebenso wird das Ergebnis klar definiert, das am Ende realisiert sein soll. In agilen Projekten ist das bekanntlich anders. Und auch hier gibt es eine Parallele zu Dynamic Facilitation, das – im besten Sinne agil – auf Emergenz, ständiges Lernen und fluides Mitgehen mit dem, was jetzt wichtig ist, setzt. Da ist der Endtermin nicht so klar zu definieren. Mal taucht der Durchbruch früher als erwartet auf oder sogar ganz schnell, mal auch erst später. Und auch das Ergebnis ist nicht vorhersagbar – denn eine Gruppe kann zwischendurch entdecken, dass die Ausgangsfrage gar nicht die eigentlich wichtigste Frage war. Dann arbeitet sie an einem Thema weiter, das sie vorher nicht auf dem Schirm hatte – und ist hochzufrieden.

Dynamic Facilitation ist ungewohnt, da so anders als konventionelle Moderation. Weniger steuernd, mehr Selbstorganisation zulassend, Raum gebend, der Weisheit der Gruppe von Anfang bis Ende vertrauend, Emergenz ermöglichend, organisch mit der Energie der Gruppe gehend. Neue Ordnungen können aus dem Chaos entstehen. Das macht manch einem auch Angst. Und lässt die Sorge entstehen, ob Auftraggeber da mitmachen. Doch inzwischen suchen viele nach agileren Vorgehensweisen. Dynamic Facilitation ist eine davon. Agiler könnte Moderation nicht sein.

Hier finden Sie:

Weitere Informationen zur Methode Dynamic Facilitation

Informationen zu unserem nächsten Dynamic Facilitation-Seminar in der Schweiz

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